Konzert Kritik - 6.11.25 im Kulturhaus Babelsberg

*Imagine*
Stell dir vor, es ist Donnerstagabend in Potsdam und du gehst zu einem Konzert.
Stell dir vor, es ist ab 19 Uhr Einlass und gegen 19:30 Uhr ist der Saal verwaist.
Stell dir vor, im backstage Bereich frötzeln die 4 Musiker herum und überspielen das Lampenfieber.
Stell dir vor, es ist der erste Auftritt einer neuen Band. 4 gestandene Musiker, die durch die Liebe zu einer Band zusammen gefunden haben.
Stell dir vor, 10 Minuten vor dem Start des Konzertes ist der Saal voll.
Bunt gemischtes Publikum von den 20ern bis in die 70er.
Stell dir vor, die Band beginnt zu spielen und das Publikum tanzt, jubelt und singt mit.

Ich brauche mir das nicht vorzustellen - ich war dabei! Ein denkwürdiger Abend.
Jay Ottaway, Clayton Halsey, Matthias Peter und Stephan Braun -
The Gratefully Acoustic Band.
Diese neue Band, die ausschließlich akustische Instrumente und mehrstimmigen Satzgesang einsetzt weiss zu begeistern.
Jay Ottaway (Akustikgitarre, Gesang), Clayton Halsey (Akustikgitarre, Gesang), Stephan Braun (Akustikbass, Gesang) und Matthias Peter (Schlagzeug, Percussion) zelebrieren an diesem Abend Interpretationen von Grateful Dead, Pink Floyd, John Lennon, Johnny Cash, Bob Dylan und Buffalo Springfield.
Zum Einstieg gibt es „Bertha“ - die Deadheads im Saal nehmen das begeistert auf, swingen und singen mit.
Aber die Band ist viel mehr als eine Grateful Dead Cover Band. Mit „For What It’s Worth“ von Buffalo Springfield und „When I Paint My Masterpiece“ von Bob Dylan untersteichen sie das eindrücklich.
Das dann auch noch „Wish You Were Here“ von Pink Floyd erklang, hätten einige an diesem Abend sicher nicht erwartet.
Zum Abschluss des ersten Sets wurde „Bird Song“ gespielt, den die Band Donna (Donna Jean Godchaux, die kürzlich verstorbene Sängerin der Grateful Dead) widmete.

Das zweite Set begann wieder mit einem Klassiker - „I Know You Rider“.
Mit „Morning Dew“ und „Help On The Way -> Slipknot! -> Franklin‘s Tower“ folgten im Laufe des Konzertes noch weitere meiner all time favorites.
Wen wundert es noch, nach der Einleitung - auch „Imagine“ wurde intoniert.
„Ripple“ sollte das erste Konzert beschließen - aber nicht an diesem Abend und nicht bei diesem begeisterten Publikum.
Es folgten als Zugabe „Going Down The Road -> Not Fade Away“. Der Saal kochte und „Not Fade Away“ wurde vom Publikum weiter intoniert.
Fun fact am Rande - mehr Zugaben haben die Jungs nicht geplant und erwartet...
Das ging natürlich nicht und ganz spontan wurde noch Bob Dylan‘s „I Shall Be Released“ aus dem Hut gezaubert.

Vier gestandene Musiker, die, jeder für sich, schon viel erlebt haben, stehen gemeinsam beseelt auf der Bühne im alten Rathaus zu Babelsberg - im Saal leuchtende Augen und heisere Kehlen...
Ein toller Abend an dem die Energie nur so von der Bühne ins Publikum und von dem zurück auf die Bühne schwappte.
Publikum und Band verschmolzen.
Ein Abend der ein Gefühl von Kraft, Glück und Harmonie gab.
"Vielleicht nennst du mich einen Träumer, aber - ich bin nicht der Einzige" . Das hat mir dieser Abend eindrücklich gezeigt.
Für mich eine absolute 12 von 10!
Unbedingt hingehen!
Ich werde auch wieder dabei sein! (Andreas Sult)